STATUTEN

I
Mit dem Preis werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich exemplarisch um ein Musiktheater bemühen, das sich auf der Höhe der Zeit bewegt. Ein Musiktheater, das seine mehr als vierhundertjährige Geschichte als Quelle existentieller Erfahrung begreift und befragt. Ein Musiktheater, das in die Zukunft schaut. Ein Musiktheater, das die Mischung seiner Grundelemente – Musik, Sprache und Raum – nicht als ein Vorgegebenes, sondern als Expedition ins Offene denkt. Ein Musiktheater, das sich «politisch» positioniert, als Forum von Gesellschaft und Gemeinschaft.
 
II
Es geht nicht um die Förderung einer bestimmten Ästhetik, künstlerischen Praxis oder Berufsgruppe, sondern um die Ermutigung einer Haltung, die das Unmögliche möglich macht. Eines intellektuellen Ethos, das in jedem Moment der Arbeit nach dem Woher, Wo, Wohin und vor allem: nach dem Warum der Kunstform «Oper» fragt.
 
III
In diesem Sinne ist der Preis auch ein Plädoyer für die permanente Erneuerung des Betriebs und seiner Institutionen. Ein Aufruf, das Repertoire- und Stagione-System für neue Arbeits- und Produktionsformen zu öffnen. Ein Appell, Musiktheater als Labor und Werkstatt für die Belebung des Geistes und der Sinne zu – mit Uraufführungen und Werken der klassischen Moderne – jene Ohren und Augen öffnende Zeitgenossenschaft zurückzugeben, die sie im 20. Jahrhundert weitgehend verloren hat. Eine Erinnerung bedeutet. Die Ermutigung einer Haltung, die sich quer stellt zur Macht des Gewohnten, des Marktkonformen, des quotenhörigen Schaubetriebs.
 
IV
Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen. Erster Preisträger ist Gerard Mortier. Mit der Auszeichnung verbindet sich das Recht, die nächste Preisträgerin bzw. den nächsten Preisträger vorzuschlagen – im Sinne der in den Abschnitten I-III formulierten Anhaltspunkte und in enger Abstimmung mit den Initiatoren. Musiktheater, das sich auf der Höhe der Zeit bewegt, ist per definitionem dynamisch, prozesshaft. Deshalb soll das inhaltliche und geistige Profil des Preises auch bei jeder Vergabe fortgeschrieben werden.
 
V
Bei der ersten Preisverleihung ist der Preis undotiert. In Zukunft soll durch Donationen und Sponsoren
eine gewichtige Dotierung ermöglicht werden – wobei es den jeweiligen Preisträgern anheimgestellt ist, das Preisgeld an Jüngere weiterzureichen, die sich im Geist Gerard Mortiers um eine geschichtsbewusste, permanente Erneuerung des Kunstwerks «Oper» bemühen.
 
Opernwelt (Berlin) und Ring Award (Graz)
//
(Februar 2014)