PREISTRÄGER 2017

Der Preisträger des MORTIER AWARD 2017 ist Markus Hinterhäuser, die Laudatio übernahm Peter Sellars.

Markus Hinterhäuser – Preisträger 2017

Er ist Österreicher, aber auf die Welt kam Markus Hinterhäuser 1958 im ligurischen La Spezia. Die italienische Mutter war Germanistin, der österreichische Vater Romanist und Übersetzer. In Wien und Salzburg studierte er Klavier, unter anderem bei Elisabeth Leonskaja und Oleg Maisenberg. Als Liedbegleiter von Brigitte Fassbaender und mit Einspielungen zeitgenössischer Klavierwerke (John Cage, Morton Feldman, Luigi Nono, Giacinto Scelsi, Galina Ustwolskaja) wurde er bekannt. 1993 begründete er im Rahmen der Salzburger Festspiele mit Tomas Zierhofer-Kin die Reihe „Zeit uss“, die acht Jahre lief. Ab 2007 war er Konzertchef, 2011 Interimsintendant der Salzburger Festspiele. Nach einem dreijährigen Intermezzo bei den Wiener Festwochen ist Markus Hinterhäuser seit Oktober 2016 Intendant des Salzburger Sommerfestivals.

Aus der Begründung der Jury

„Gegenwärtigkeit herstellen. Neues in Altem und Altes in Neuem spiegeln. Dem Gegenwärtigen im Vergangenen und dem Vergangenen im Gegen- wärtigen nachspüren. Fragend, suchend, immer im offenen Gespräch. Mit den Werken, den Künstlern und dem Publikum. Das ist zugleich Credo und Antrieb von Markus Hinterhäuser, einem musik- und theatersüchtigen Möglichmacher, der uns mit intellektueller Intuition immer wieder unbe- kannte Sphären des Hörens und des Sehens öffnet. Wie Gerard Mortier, sein erster Mentor, ist er ein geistesblitzender Träumer, der fest an die humane, verrückende Kraft der Künste glaubt. Und mit seiner stillen Neugier, seinem lächelnden Enthusiasmus Künstler wie Publikum mitzureißen versteht.“

Peter Sellars – Laudator 2017

Wenn es heute einen Regisseur gibt, der unverzagt an das Erhabene in der Kunst glaubt, dann ist es Peter Sellars. Musiktheater ist für den 1957 in Pittsburgh geborenen Amerikaner, der mit Wagners „Ring“ als Puppenspiel, einer radikalen Umdeutung der Mozart-Da-Ponte-Trilogie und Händels „Orlando“ im „outer space“ begann und zahlreiche neue Stücke mitinitiierte (u. a. Werke von Kaija Saariaho und John Adams), ein Kosmos von unerschöplicher Geisteskraft. Sellars’ Arbeiten, stark durch Philosophie und Theater Ostasiens inspiriert, kreisen um die spirituelle Entwurzelung des modernen Menschen – und die Suche nach Katharsis durch ästhetische Erfahrung. Die Bühne ist dabei nicht nur Soziallabor, sondern ein utopisch-sakraler Raum der Hoffnung auf ein mit der Schöpfung wiederversöhntes Leben.

 

Photo (c) Lupi Spuma: Peter Sellars, Albrecht Thiemann, Markus Hinterhäuser, Alexander Polzin, Heinz Weyringer