
Ring Award
RING AWARD – der Internationale Wettbewerb für Regie und Bühnengestaltung in Graz
Bereits vor mehr als einem Jahrzehnt, im Jahre 1997, entstand im WAGNER FORUM GRAZ unter dem Vorsitzenden Heinz Weyringer und seinem Stellvertreter Walter Bernhart die Idee, einen Musiktheaterwettbewerb durchzuführen, aber nicht wie die meisten Wettbewerbe dieser Art mit Hauptausrichtung auf die musikalische Umsetzung, sondern mit Fokus auf der Regie- und Inszenierungsarbeit und auf der Bühnengestaltung. Schließlich ist es ein Merkmal heutiger Aufführungspraxis, dass dieser Bereich besonderes Gewicht besitzt und sich dort das größte Innovationspotential im zeitgenössischen Musiktheater findet.
Das Besondere der RING AWARD-Konzeption bestand von Anfang an darin, dass in der Endausscheidung tatsächliche Aufführungen auf einer großen Bühne stattfinden und damit nicht nur Konzepte zur Diskussion stehen, sondern zusätzlich vor allem auch die Fähigkeit der Teilnehmer zur ‚real life’-Umsetzung ihrer Vorstellungen beurteilt wird. Es ist vor allem dieser Realisationsaspekt des Wettbewerbs, der ihn zu einem außergewöhnlichen Ereignis – auch auf der Erlebnisebene der Zuschauer – macht, gleichzeitig aber auch zu einer großen finanziellen Herausforderung. Es ist erfreulich und kann dankbar hervorgestrichen werden, dass die öffentliche Hand, d. h. das Land Steiermark und die Stadt Graz, die Einmaligkeit des RING AWARD erkannt hat und bereit ist, diese bedeutsame Maßnahme mit großer internationaler Ausstrahlung zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses großzügig zu unterstützen. Die Durchführung des RING AWARD wäre aber auch nicht möglich ohne die hochaktive Einbindung – neben dem WAGNER FORUM GRAZ – der Bühnen Graz und der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz.
Der zukunftsorientierten Ausrichtung des Wettbewerbs zufolge gibt es neben der Werkrealisation im Rahmen des traditionellen Opernbetriebs auch eine experimentelle Schiene (ring.award.off), in der die neuesten Entwicklungen im technologischen und ästhetischen Bereich in ihrer Anwendung auf das Musiktheater erprobt werden können. Die Einreichungen in beiden Sparten werden rigorosen Beurteilungen durch mehrere Jurys unterworfen, die sich aus international führenden Intendanten, Regisseuren, Bühnengestaltern und Medienvertretern zusammensetzen. Das wichtigste Ziel des RING AWARD, den Wettbewerbssiegern den Eintritt in eine erfolgreiche künstlerische Laufbahn zu ermöglichen, ist in den letzten zehn Jahren bereits in vielen Fällen erreicht worden, und dies vor allem über Kontakte zu den internationalen Jurymitgliedern und ihren Netzwerken.
Der RING AWARD-Wettbewerb wurde bisher bereits fünfmal durchgeführt, wobei sich die Zahl der Teilnehmer und der vertretenen Nationen konstant gesteigert hat und 2008 bei 158 Bewerbern aus 22 Nationen lag. Durch seine Verankerung im WAGNER FORUM GRAZ hatten die ersten beiden Bewerbe (1997, 2000) Wagnersche Werke zum Thema, die Rheintöchterszene aus „Rheingold“ und Sequenzen aus dem zweiten Akt „Parsifal“. Weitere Themen waren dann 2002 der Antonia-Akt aus „Contes d’Hoffmann“, 2005 der zweite Akt von „Le nozze di Figaro“ sowie 2008 der Schlussakt des „Rigoletto“. Das Thema für den Wettbewerb mit dem Finale im Juni 2011 wird „Die Fledermaus“ sein. Damit ist das Spektrum der musiktheatralischen Herausforderungen recht weit gespannt, und in Zukunft mag sich dieses noch deutlich erweitern.
Eine durchaus messbare Bestätigung für die Notwendigkeit dieses in seiner Art singulären Wettbewerbes, ist auch die bisherige Teilnehmerzahl von 682 jungen Künstlern aus 40 Nationen.
Es ist erfreulich, dass der RING AWARD von Anbeginn die Unterstützung des Internationalen Richard Wagner-Verbands, sowohl unter dem Ehrenpräsidenten Josef Lienhart (bis 2009) als auch unter der neu gewählten Präsidentin Prof. Eva Märtson gefunden hat. Einen unschätzbaren Beitrag leisteten in allen fünf Ausscheidungen die Gesangsteams, welche von einer bemerkenswert großen Zahl europäischer Wagner-Verbände gestellt wurden (Helsinki, Hannover und Magdeburg bereits mehrfach, sowie Venedig, London, Budapest, St. Petersburg und München). Der Wagner Verband International leistet damit ebenfalls einen bedeutsamen Beitrag zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses im Bereich des Musiktheaters.
Es ist jedes Mal ein spannungsvolles, ungeduldig erwartetes Ereignis, wenn zum Semifinale mit seinem typischen Workshopcharakter in der Montagehalle der Grazer Oper und dann zum großen Finale im Grazer Schauspielhaus und an anderen Spielstätten ein enthusiastisches Publikum zusammenströmt. Mit großer Begeisterung und Anteilnahme wird dabei die Urteilsfindung durch die Jurys mitverfolgt und ein eigenes, im Anschluss heiß diskutiertes Urteil gefunden. Die sehr eigenständigen kreativen Leistungen der Teilnehmer regen das Publikum zur intensiven Auseinandersetzung an und scheinen auch in ihm die künstlerischen Kräfte zu wecken. Die Lebendigkeit der Konfrontation in einer hochgestimmten Atmosphäre ist ein besonderes Kennzeichen des RING AWARD, wohl weil man sich jedes Mal bewusst ist, dass hier in einer brodelnden Talenteschmiede Kräfte geformt werden, die das zukünftige Geschehen in der Welt des Musiktheaters nachhaltig prägen werden.
Heinz Weyringer
Intendant des Ring Award
Vorsitzender des Wagner Forums Graz
Vizepräsident des Richard-Wagner-Verbandes-International
6. Internationaler Wettbewerb für Regie und Bühnengestaltung
Im Zeitraum von 2009 bis 2011 wird bereits zum sechsten Mal in Graz der Internationale
Wettbewerb für Regie und Bühnengestaltung durchgeführt. Nachdem bisher stets Opern das Thema des Wettbewerbes waren, haben sich die Teilnehmer beim Ring Award 11 erstmals als besondere Herausforderung mit einer Operette auseinanderzusetzen: „Die Fledermaus“ von Johann Strauß (Sohn). Die Eröffnungsveranstaltung am 27. November 2009 trägt den Titel »Der Biss der Fledermaus«.
Im Rahmen dieses Wettbewerbes stellen sich Teams von jungen Künstlern, denen jeweils ein Regisseur und ein Bühnengestalter angehören, der kritischen Beurteilung durch renommierte Fachleute aus dem In- und Ausland. Wie bereits bei früheren Durchführungen des Wettbewerbes werden mehrere Preise vergeben: Neben den Preisen der Ring Award-Jury ermittelt eine Intendanten-Jury einen eigenen Preis. Darüber hinaus vergeben mehrere Theater oder Opernhäuser Angebote für Inszenierungen einschließlich Bühnengestaltung.
Als nach wie vor weltweit einzige Institution ihrer Art stellt sich der Wettbewerb die Aufgabe, aktuelle Entwicklungen der Bühnenumsetzung von musiktheatralischen Werken zu reflektieren und jungen Nachwuchskünstlern die Möglichkeit zu eröffnen, ihren Vorstellungen vom heutigen Musiktheater ein internationales Echo zu verschaffen.
Neben der Sparte für die Austragung des Wettbewerbes im Rahmen traditioneller Realisierungsbedingungen wird auch diesmal wie bei vorangegangenen Wettbewerben eine eigene experimentelle Sparte angeboten: „ring.award.off“.



